Berlin, 26. April 2019. Damit Kultur nicht nur schön anzuschauen ist, sondern auch sicheren Genuss bietet, haben Forschende in der Zuse-Gemeinschaft schonende Verfahren zum Schutz von Kunstwerken und Gesundheit entwickelt. Holz als empfindliches, natürliches Material, das zugleich Schadstoffe beherbergen kann, ist ein Schwerpunkt dieser Aktivitäten.

Kunstwerke restauriert man, um sie zu erhalten und sie im Idealfall wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu bringen. Doch kann auch der Schutz des Menschen vor den Kunstwerken nötig sein, so bei Holzschnitzereien. Denn bei deren Restaurierung kamen bis in die achtziger Jahre hinein nicht selten gesundheitsgefährdende Holzschutzmittel mit Stoffen wie Pentachlorphenol (PCP), Lindan oder auch DDT zum Einsatz. Für die Befreiung historischer Holzkonstruktionen und Kulturgüter von solchen Gefahrstoffen hat das Forschungsinstitut INNOVENT aus Jena die Reinigung mit Atmosphärendruckplasma entwickelt.

Bei dem Verfahren wird mit einem aufgeladenen Stickstoff-Gas gearbeitet, das die Rückstände des Holzschutzmittels reduziert. „Das schonende Verfahren kommt ohne Feuchtigkeit aus. Gemeinsam mit dem Institut für Holztechnologie Dresden (IHD) einem weiteren Mitglied der Zuse-Gemeinschaft, wollen wir die entscheidenden Schritte tun, damit sich diese Methode in der Praxis der Restaurierung verstärkt durchsetzt – für den Schutz von Kulturgütern und zum Gesundheitsschutz für die Mitarbeitenden in Depots und Museen“, erklärt Constanze Roth, Kunsthistorikerin bei INNOVENT.

Während sich INNOVENT um die Oberflächenbehandlung kümmert, arbeiten die IHD-Wissenschaftler an der Versiegelung der gereinigten Oberflächen, damit keine weiteren schädlichen Substanzen aus dem Holz entweichen. Dazu lassen sie die Holzstruktur etwas aufquellen. „Sind die Zellwände möglichst dicht, wird dieser Zustand fixiert“, erläutert Dr. Martin Fischer vom IHD das Vorgehen beim Projekt Plasdecon.

Schimmelpilzen an Kirchenorgeln zu Leibe gerückt
Während in Museen und Sammlungen mit ihren häufigen Wander-Ausstellungen Schadinsekten zur Gefahr für Kunstschätze aus Holz werden können, lauern in Kirchen als Hort sakraler Kunst andere Risiken. Schimmelpilze und von ihnen gebildete Sporen greifen nicht nur die Verkleidung und das Innenle¬ben von Kirchenorgeln an, sondern sind auch eine potenzielle Gesundheitsgefahr.

Weil Gemeinden seit Jahren zunehmenden Schimmelpilzbefall an Kirchenorgeln beklagen, entwickelte das IHD in Zusammenarbeit mit dem Institut für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung in Stuttgart sowie dem Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt erfolgreich Strategien zum Schutz der Musikinstrumente.

Schimmelpilz ÂspergillusGlaucus 600fach Bildquelle IHD Beitrag

Mikroskopische Aufnahme eines typischen Schimmelpilzes in Orgeln:
Aspergillus glaucus in 600-facher Vergrößerung. Bildquelle: IHD

Mit einem kombinierten Luftreiniger aus Filtermodulen, Ionisator und UV-Strahler wurden Schwebeteilchen der Luft reduziert und unschädlich gemacht. Neben der Messung von Schimmelpilzkonzentrationen in der Luft ging es in Kleinstarbeit ans Zählen und Analysieren der Partikel unter dem Mikroskop. An einem speziell entwickelten Computer-Simulationsmodell wurden erstmalig in einem 3D-Modell kritische Stellen im Windsystem der Orgel sichtbar gemacht.

„Unsere an vier Kirchen in Ostsachsen erprobten Methoden wollen wir weiter testen, um die aufgezeigten Lösungsansätze möglichst breit in die Anwendung zu bringen. Schimmelpilze sollen sich in den kühlen Kirchen nicht mehr wohl fühlen“, sagt IHD-Projektleiterin Katharina Plaschkies.

Am 9. und 10. Mai  widmet sich das 5. Mykologische Kolloquium am IHD interdisziplinär dem Schimmelpilzbefall in Kirchenorgeln. Der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn über die Grenzen einzelner Fächer hinaus kennzeichnet auch das bei INNOVENT angesiedelte Forum Inn-O-Kultur, das Arbeit aus den Disziplinen Chemie, Physik, Werkstoffe und Kunstgeschichte zusammenbringt, um den Wert innovativer Oberflächentechnik für Kulturgüter zu erkunden.

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