Wie können Textilien dazu beitragen, das Leben von Menschen gesünder und sicherer zu machen – oder im Ernstfall sogar Leben zu retten? Mit dieser Frage beschäftigen sich zahlreiche Unternehmen und Forschungsinstitute, die sogenannte „Smart Textiles“ entwickeln: Textilien mit integrierten elektronischen Funktionen, die unter anderem in der Medizintechnik, im Arbeitsschutz sowie bei Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) zum Einsatz kommen.
Wirtschaftsorientierter und internationaler – Gäste und Veranstalter zufrieden
Das jährlich stattfindende Anwenderforum SMART TEXTILES widmete sich in diesem Jahr mit insgesamt zehn Fachvorträgen, einem Firmenrundgang bei der Bauerfeind AG sowie einer Begleitausstellung insbesondere den Themenfeldern Medizin und Sicherheit. Rund 90 Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen und neue Anwendungen smarter Textilien zu informieren und sich intensiv miteinander auszutauschen.
„Wir haben von allen Seiten äußerst positive Rückmeldungen erhalten – von Vortragenden, Moderierenden und natürlich von den Gästen“, sagt Dr. Fabian Schreiber, geschäftsführender Direktor des TITV Greiz. „Der thematische Schwerpunkt auf Medizin und Sicherheit sowie der stärkere Fokus auf Anwender- und Unternehmensperspektiven haben das Profil unserer Veranstaltungsreihe weiter geschärft. Als wirtschaftsnahes Forschungsinstitut ist uns dieser Praxisbezug besonders wichtig.“
Die Bedeutung dieser wirtschaftlichen Perspektive spiegelte sich auch im Feedback der Teilnehmenden wider. 41 der rund 90 Gäste beteiligten sich an einer Befragung: 88 Prozent bewerteten die Moderation durch Persönlichkeiten aus der Wirtschaft als eher oder sehr wichtig. Auch das Gesamtpaket der Veranstaltung überzeugte – in der Feedback-Umfrage vergaben die Teilnehmenden die durchschnittliche Schulnote 1,4.
Auch hinsichtlich der internationalen Reichweite setzte das TITV Greiz neue Akzente: Mit Vorträgen aus Slowenien und den Niederlanden wurde das Programm erstmals stärker international ausgerichtet. Das bilinguale Format mit deutsch- und englischsprachigen Beiträgen stieß beim Publikum auf positive Resonanz. 71 Prozent der Befragten gaben an, die Ergänzung durch Vorträge aus nicht deutschsprachigen Ländern als eher oder sehr wichtig zu empfinden.
Vorträge in vier Themenblöcken: Medizintechnik, Resilienz, Arbeitssicherheit und Start-ups
Im ersten Themenblock zur Medizintechnik, moderiert von Dr. Merle Fuchs vom medways e. V., stellte Margret Hünerbein vom niederländischen Unternehmen Bilihome einen Strampler zur Behandlung von Neugeborenen-Gelbsucht vor. Die Entwicklung soll die klassische Phototherapie im Krankenhaus komfortabler, familienfreundlicher und alltagstauglicher gestalten, ohne an medizinischer Wirksamkeit einzubüßen. Tobias Berchtold von Vprotect aus Österreich präsentierte einen Sensor zur Früherkennung von Vorhofflimmern, der helfen kann, schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfällen vorzubeugen. Arthur Reschke von Art Glove stellte einen speziell entwickelten Handschuh zur Behandlung chronischer Rheuma-Erkrankungen vor. Der aktuelle Prototyp verfügt über Massage- und Vibrationsfunktionen und konnte in ersten Nutzungsstudien bereits eine deutliche Schmerzreduktion bei den Betroffenen erzielen.
Der Themenblock Resilienz wurde von Prof. Dr. Thomas Gries vom Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen moderiert. Alexandra Kunzet und Jana Oldenburg präsentierten einen textilbasierten Blutsensor, der eine zuverlässige Unterscheidung verschiedener Körperflüssigkeiten sowie die Detektion von Blutverlust ermöglicht. Das System arbeitet mit in Textilien integrierten Sensorelementen und wurde speziell für den Einsatz in sicherheitskritischen und medizinischen Extremsituationen entwickelt. Anschließend stellte Bine Oder von der FireCat Group aus Slowenien ein KI-gestütztes Sensorsystem für BOS vor. Es ermöglicht die Echtzeitüberwachung von Vitalparametern, Bewegung und Standort, sodass Einsatzteams Risiken frühzeitig erkennen und effektiv auf Notfälle reagieren können.
Im Themenfeld Arbeitssicherheit moderierte Dr. Michael Schadhauser von der UVEX ARBEITSSCHUTZ GMBH zwei weitere Beiträge. Lisa Hermann und Nelson Martins von der Application Development Group bei YKK Europe Limited präsentierten Reißverschlüsse, Druckknöpfe und Nieten mit integrierten elektronischen Funktionen. Diese können als Schalter fungieren und lassen sich direkt in textile Systeme integrieren. Im Anschluss stellten Lutz Doms von der Askion GmbH und Dr. Andreas Neudeck einen beheizbaren Handschuh für Anwendungen in der Kryotechnologie vor.
Der abschließende Themenblock war jungen Unternehmen und ihren Produktideen gewidmet und wurde von Verena Dittrich von Redwave Medical moderiert. Dr. Thomas Mäder vom Start-up Deep Breath präsentierte einen intelligenten Sensorgürtel für das Atemtraining, der über eine App unmittelbares Feedback zur eigenen Atmung liefert. Gründerin Diana Dill stellte ihre Entwicklung eines adaptiven Lichtmanagement- und Orientierungssystems zur Prävention von Delir in der Intensivpflege vor. Den Schlusspunkt setzte Arved Masch von der MinkTec GmbH mit „rectify“, einem Shirt zur Haltungskorrektur, das helfen soll, Rückenschmerzen vorzubeugen.
Über das Anwenderforum SMART TEXTILES
Das Anwenderforum SMART TEXTILES bringt jedes Jahr Akteure aus Industrie, Forschung und Entwicklung zusammen, um aktuelle Trends, Anwendungen und Technologien im Bereich intelligenter Textilien zu diskutieren. Das Forum bietet eine Plattform für Austausch, Wissenstransfer und Kooperationen. Neben spannenden Fachvorträgen bieten die Veranstalter TITV Greiz, Forschungskuratorium Textil und die Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung Denkendorf (DITF) den Teilnehmenden Diskussionen, Live-Demonstrationen und Networking.
Pressemitteilung des TITV vom 13.03.2026.