Rund 1,6 Millionen Tonnen Munition aus den Weltkriegen liegen in Nord- und Ostsee. Die Hüllen korrodieren fortwährend, wodurch zum einen toxische Substanzen ins Meer gelangen und zum anderen die Detonationsgefahr steigt. Das LZH hat ein laserbasiertes Verfahren entwickelt, das nicht transportfähige, bezünderte Munition unter Wasser schonender entschärfen kann. Damit sollen zukünftig Tiere und Umwelt geschützt und kostenintensive Schutzmaßnahmen überflüssig werden.
Bisher eingesetzte Entschärfungsmethoden wie gezielte Sprengungen, so genannte High-Order-Detonationen, können dem Gehör von Meeresbewohnern, zum Beispiel Schweinswalen, schaden und erfordern daher Umweltschutzmaßnahmen. Dazu gehören Blasenschleier, die den Unterwasserschall dämpfen, sowie das Vertreiben der Tiere aus der Gefahrenzone.
Kerben und kontrolliertes Ausbrennen statt Detonation
Das vom LZH im Projekt UnLowDet entwickelte Verfahren basiert auf einem zweistufigen Prozess: Zunächst kerben die Wissenschaftler:innen die Kampfmittelhülle mit Laserstrahlung ein, wobei ein Drittel der Wandstärke erhalten bleibt. Anschließend Durchdringen sie das restliche Material ebenfalls mit Laserstrahlung, und lösen so eine Deflagration aus – eine sehr schnelle Verbrennung, auch „Low-Order-Umsetzung" genannt. Der resultierende Überdruck führt zum kontrollierten Aufbrechen der Hülle und verhindert eine High-Order-Detonation und die dazugehörige Schallwelle. Das Verfahren soll Schallbelastung sowie Schäden an der marinen Umwelt deutlich reduzieren.
Erfolgsversprechende Versuchsergebnisse an Fundmunition
Im Sprengsee der Wehrtechnischen Dienststelle 71 in Elpersbüttel führte das LZH gemeinsam mit seinem Projektpartner LASER on demand GmbH die finalen Tests durch. Dabei validierten die Forschenden erfolgreich die laserbasierte Methode: Sie lösten unter Wasser eine kontrollierte Low-Order-Umsetzung aus – die Hülle brach auf und der Großteil des Sprengstoffes blieb erhalten, statt zu detonieren. Getestet wurde das Verfahren an Sprengkörpern mit 200 g TNT, Fundmunition aus dem Zweiten Weltkrieg (bereitgestellt vom Kampfmittelräumdienst Schleswig-Holstein) sowie Mörsergranaten der Bundeswehr.
Entscheidend für die Sicherheit: In keinem Fall kam es zum gefährlichen Übergang von Deflagration zur High-Order-Detonation. Das Verfahren ermöglichte kontrollierte Low-Order-Umsetzungen verschiedener Intensität – die Munitionshüllen rissen teilweise oder brachen vollständig auf.
Mit Schallmessungen konnten die Partner den Nutzen für die Umwelt zeigen: Das laserbasierte Verfahren reduzierte den Unterwasserschall deutlich. Die Wissenschaftler:innen wollen nun in Folgeprojekten ihr Wissen über das Zündverhalten und das Aufbrechen der Hülle weiter vertiefen und das Verfahren auf andere Kampfmittel übertragen. Das Ziel ist dabei, das Verfahren weiter zu optimieren, damit es rasch in die Anwendung kommen kann. Langfristig soll so die Belastung für die Meereswelt reduziert und dabei auf teure Technik wie Blasenschleier verzichtet werden können.
Über UNLOWDET
Im Projekt UNLOWDET entwickelten die Partner ein Verfahren zur laserinduzierten, effizienten Entschärfung von Kampfmitteln im Meer. Beteiligt waren neben dem Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) die EGGERS Kampfmittelbergung GmbH und die LASER on demand GmbH. Assoziierte Partner, die das Projekt beraten haben, sind die Feuerwehr Hamburg, das Landesamt für Geoinformation und Landvermessung Niedersachsen, die Polizei Bremen, das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein, das Landesamt für zentrale Aufgaben und Technik der Polizei, das GEOMAR Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung Kiel sowie das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz.
Das Verbundforschungsvorhaben wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unter dem Förderkennzeichen 03SX550B durch den Projektträger Jülich gefördert. Die Projektpartner danken der WTD71 für die Unterstützung bei den Demonstrationsversuchen.
Pressemitteilung des LZH vom 09.04.2026.