Prof. Martin Bastian, Präsident der Zuse-Gemeinschaft (Bildquelle SKZ)

Berlin, 5. August 2026. Zutiefst bestürzt und besorgt hat die Deutsche Industrieforschungsgemeinschaft Konrad Zuse auf die Aussetzung der Annahme neuer Förderanträge für Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand ZIM durch das Bundeswirtschaftsministerium reagiert.

 

Bei einer außerordentlichen Senatssitzung am 28. Juli bezeichnete Zuse-Präsident Prof. Martin Bastian diese neuerliche abrupte Programm-Unterbrechung als „fatales Signal an die Wirtschaft und einen Tiefschlag für das mittelständische Innovationspotenzial“. Im Namen der 80 gemeinnützigen Industrieforschungseinrichtungen der Gemeinschaft mit 6000 Mitarbeitern und branchenübergreifend jährlich rund 17000 Kooperationsprojekten mit mittelständischen Industriepartnern forderte das Gremium eine schnelle Rücknahme dieser für viele Einrichtungen und Unternehmen existenzbedrohenden Entscheidung.

 

Bastian wies auf den eklatanten Widerspruch zwischen der Programmblockade des Ministeriums und den unmittelbar zuvor veröffentlichten Empfehlungen der Wirtschaftsministerkonferenz der Bundesländer hin, die Rahmenbedingungen für transferorientierte Forschung zu verbessern. Die Minister hatten die Bundesregierung ausdrücklich gebeten, das ZIM ebenso wie die Programme INNO-KOM und IGF „über die gesamte Legislaturperiode verlässlich fortzuführen“. Schon in ihrem Koalitionsvertrag hatte die Bundesregierung sich seinerzeit verpflichtet, die Programme zu sichern und zu stärken. „Nun sehen wir das genaue Gegenteil, eine echte Katastrophe“, sagte Bastian.

 

Auch Senatsmitglieder aus der Wirtschaft kritisierten die Entwicklung deutlich. So beklagte Dr. Yves-Simon Gloy, Chef des Berliner Textiltech-Startups ADOTC, ein geplantes gemeinsames ZIM-Projekt mit einem Forschungsinstitut entfalle nun, die deshalb fehlenden Fördermittel verlangsamten eine entscheidende Anlagenentwicklung, erhöhten die Risiken und erzwängen obendrein Neuverhandlungen mit Geschäftspartnern: „Ausgerechnet in einer Krise Fördermittel zu reduzieren oder gar zu blockieren, ist der vollkommen falsche Weg“, so Gloy.

 

Michael Münch, Geschäftsführer des Sensorik-Spezialisten Sonotec in Halle (Saale) sieht in der langjährigen Unterstützung durch das ZIM und in Netzwerken mit Forschungseinrichtungen einen Grund für die stabile Wettbewerbsfähigkeit seines Unternehmens. Mit dem ZIM-Stopp ende für ihn die Kontinuität wahrgenommener erster wirtschaftlicher Aufbruchssignale wieder. Personal und Kompetenzen verließen die Institute, damit bräche die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit weg. Die Bundesregierung müsse nun sehr schnell handeln, das ZIM mit besseren Konditionen wieder öffnen.

 

Dr. Cornelia Röger-Göpfert, Geschäftsführerin des Kunstrasenfaser-Technologieführers Morton Extrusionstechnik aus dem südhessischen Abtsteinach, betonte, das Auftragsvolumen für ihr Unternehmen hänge maßgeblich davon ab, dass es sich mit innovativen Produkten deutlich von Anbietern aus dem Mittleren und Fernen Osten absetzen kann. Von Fördermitteln etwa aus dem ZIM unterstütztes Knowhow der Forschungsinstitute helfe, sich immer wieder neu zu behaupten, zugleich Verbesserungen in Sachen Recycling und Nachhaltigkeit voranzutreiben: „Das ist ein starkes Argument für den Verbleib von möglichst viel Produktion in Deutschland.“

 

Neben der Blockade-Rücknahme im ZIM drängte der Zuse-Senat zugleich auf eine ausreichende Finanzierung der Mittelstands-Forschungsförderung. Nachdem die drei wichtigsten Programme bereits über Jahre ausgetrocknet wurden, drohten nun im Bundeshaushalt 2027 neuerliche massive Mittelkürzungen. Neben einer Stabilisierung der aktuellen Jahresetats komme insbesondere der Absicherung auskömmlicher Verpflichtungsermächtigungen als ministerielle Zusage der Fortfinanzierung bereits genehmigter, mehrjährig laufender Projekte über den jeweiligen Jahreswechsel hinaus entscheidende Bedeutung zu.

 

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