Die Lage ist ernst und wir müssen sie ernst nehmen. Die Bundeskanzlerin hat das in ihrer Ansprache treffend mit Blick auf das Gesundheitsrisiko durch das Corona-Virus gesagt. Ihr Diktum gilt aber - leider - auch für die wirtschaftliche Lage und speziell für die Einrichtungen der gemeinnützigen Industrieforschung.

Vielen von uns sind seit Anfang März Einnahmen durch monatelang geplante, aber dann kurzfristig undurchführbare Kongresse, Konferenzen, Weiterbildungen und Seminare weggebrochen.

Doch nicht nur Einkünfte, die uns mit dem Wissenstransfer an Fach- und Führungskräfte in Wirtschaft und Wissenschaft sonst zufließen, sind versiegt. Zugleich sehen wir uns in staatlich geförderten Forschungs-projekten und in der Auftragsforschung ganz neuen Herausforderungen gegenüber, wenn Labore vorübergehend schließen oder Partner ihre Zusagen einschränken müssen.

Die Stärken des Forschungstransfers in der Zuse-Gemeinschaft - der Mix aus Projektförderung und Eigenmitteln - ruhte auf gesundem Fundament. Zugleich ist es unsere langjährige Forderung an die Politik, die uns im Vergleich zu den Großforschungsverbünden entstehenden Nachteile zu beseitigen. Falls es jetzt an zielgenauer Hilfe fehlt, werden sich durch die Corona-Krise diese Nachteile noch verschärfen.

Die von der Bundesregierung bereitgestellten Hilfen entlasten uns punktuell, doch drohen wir an anderen Stellen durch Sicherheitsnetze zu fallen. Dazu darf es nicht kommen! Sorgen wir zusammen dafür, dass die gemeinnützige Industrieforschung nicht nur erhalten bleibt, sondern nach der Krise die Innovationskraft Deutschlands stärken kann - zusammen mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft. Wir sind dafür bereit, doch benötigen wir die Unterstützung der Politik!

Gerade in Krisenzeiten werden innovative Ideen aus praxisnaher Forschung für den nächsten Aufschwung benötigt. Mit welcher Kreativität und Kompetenz Forschende aus der Zuse-Gemeinschaft arbeiten, zeigen nicht zuletzt die Beispiele im Blog auf unserer Webseite. Dort sehen Sie einen laufend aktualisierten Querschnitt unserer Forschungsarbeit. Unsere Online-Kommunikation wird in den nächsten Wochen noch wichtiger werden. Bevor wir unseren Wissens- und Technologietransfer auch vor Ort an unseren 75 Instituten wieder intensivieren – wenn man uns lässt.

Ihr Martin Bastian
Präsident der Zuse-Gemeinschaft

24. März 2020