Ob es Nutztieren in der Landwirtschaft gut geht, lässt sich künftig anhand objektiv messbarer Kriterien bestimmen. Das wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem noch bis Jahresende 2019 laufenden Forschungsprojekt erreichen, an dem das Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte an der Humboldt-Universität zu Berlin (IASP) maßgeblichen Anteil hat.

Die Farben rot - gelb - grün der Tierwohlampel dienen als Orientierungspunkte bei der engmaschigen Erfassung physiologischer Messgrößen im Projekt.

Zu den Kriterien gehören z.B. der Hautwiderstand und die Messung von Aktionsströmen der Muskeln über ein Elektromyogramm. Solche Kenngrößen helfen dabei zu erkennen, ob die Tiere im Stress sind oder ob sie sich wohl fühlen.

 

Hautwiderstand und Muskelaktivität als zwei Kennzahlen
„Die Parameter werden jede Sekunde gemessen“, erläuterte IASP-Geschäftsführer Dr. Stefan Köhler die Erfassung der Messdaten im Projekt, das sich auf Milchkühe konzentriert. „Wir sind dabei zu beweisen, dass Tierwohl messbar ist“, sagt der Agrarwissenschaftler, dessen Institut im Projekt mit mehreren landwirtschaftlichen Betrieben in Brandenburg zusammenarbeitet, darunter sowohl konventionell arbeitende Höfe wie auch Öko-Betriebe.

Gesundheitsdaten mit Mehrwert für Verbraucher und Betriebe
Für das Projekt nutzen das IASP und seine Projektpartner eine in der Entwicklung befindliche elektronische Ohrmarke, die physiologische Kenngrößen am Tier misst. Die ausgelesenen Daten werden dann mit einer speziellen Software ausgewertet. Neben der Fitness und der Gesundheit der Tiere sammeln die Wissenschaftler auf den Betrieben auch Daten zur Fütterung, zur Fruchtbarkeit, zum Tierschutz und zum Management der Kuhherden.

Für die landwirtschaftlichen Betriebe bietet die Tierwohlampel zahlreiche Vorteile, indem sie Brunst, Kalbezeitpunkt oder auch Krankheiten der Tiere frühzeitig erkennen können. Auf Basis der Daten erhalten die Landwirte Handlungsempfehlungen in den Ampelfarben, mit denen sie eine schnelle Übersicht zur Gesundheit ihrer Herden bekommen.

Projektpartner sind:
-LAB Landwirtschaftliche Beratung der Agrarverbände Brandenburg GmbH Berlin Brandenburg Marketing GmbH -Data Service Paretz GmbH (dsp) -Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte an der Humboldt-Universität zu Berlin (IASP) -Institut für Fortpflanzung landwirtschaftlicher Nutztiere Schönow GmbH
(IFN)
-Agrarservice-, Handels- und Beratungsgesellschaft mbH -Agrargenossenschaft Münchehofe e.G.
-Fehrower Agrarbetrieb GmbH
-Tierzuchtgut Heinersdorf GbR
-Produktions- und Dienstleistungsgesellschaft der Agrarwirtschaft Altzeschdorf GmbH

Der Träger ist die Europäische Innovationspartnerschaft Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit (EIP-Agri, ILB).


Weblink zum Projekt