Die in der Zuse-Gemeinschaft zusammengeschlossenen Industrieforschungszentren haben eine klare Botschaft an den Mittelstand: Ihre Einrichtungen sorgen als Forschungs- und Entwicklungsdienstleister vorwiegend kleiner und mittlerer Unternehmen vor Ort für den Innovationstransfer in die Wirtschaft.

 

Das Potenzial der 130 deutschen Industrieforschungsinstitute, die als Leistungsträger des Wissenschafts- und Innovationssystems bisher kaum angemessen wahrgenommen wurden, ist bedeutend: Rund 10.000 Wissenschaftler, Techniker und andere hochqualifizierte Mitarbeiter geben in den Einrichtungen zwischen Oldenburg, Dresden und Reutlingen den wissenschaftlichen Input für anschließende Produkt- und Verfahrensentwicklungen in den Unternehmen. 

 

Finanziert aus Industrie- und Fördermitteln

Mit jährlichen Einnahmen von 750 Mio. Euro, darunter 40 Prozent direkte Industriemittel, sind sie ein unverzichtbarer, eigenständiger Teil der außeruniversitären Forschungslandschaft in Deutschland. Die Institute setzen zudem mit Wirtschaftspartnern Förderprojekte um, die durch Land, Bund oder EU finanziert werden. Als Bindeglied zwischen Wirtschaft und Wissenschaft sind die im Einzelfall bis zu 300 Mitarbeiter starken Mitgliedseinrichtungen der Zuse-Gemeinschaft gemeinnützig tätig, rechtlich und wirtschaftlich selbstständig und gehören weder institutionell geförderten Großforschungsverbünden (Fraunhofer, Max-Planck, Leibniz oder Helmholtz) noch Unternehmen an. 

 

Die Initiative zur Gründung der Forschungsgemeinschaft, die den Namen des Berliner Computerpioniers Konrad Zuse (1910-1995) trägt, geht auf Bestrebungen der Institute selbst zurück. Die neue Gemeinschaft wird von Präsident Dr.-Ing. Ralf-Uwe Bauer, Geschäftsführender Direktor des Thüringischen Instituts für Textil- und Kunststoff-Forschung e.V. (TITK), Rudolstadt, und seine Stellvertreter Prof. Dr.-Ing. Wolfgang H. Nebel, Vorstandsvorsitzender OFFIS Institut für Informatik, Oldenburg (zuständig für Wissenschaft), und Dr. Bernd Grünler, Vorstand INNOVENT e.V. Technologieentwicklung Jena (Administration), geleitet. Unmittelbar nach Gründung der Organisation wurde ein Innovationsrat ins Leben gerufen, der u. a. für Strategieplanung und Qualitätssicherung der Mitgliedsinstitute verantwortlich ist.

 

Die Zuse-Gemeinschaft versteht sich als unmittelbarer Partner der mittelständischen Wirtschaft. Ihre Mitglieder zeichnen sich, dem Mittelstand vergleichbar, durch Flexibilität, Schnelligkeit, Kosteneffizienz und Forschungseffektivität aus, Typisch für sie ist auch die regionale Nähe zu den Unternehmen. Vizepräsident Nebel: „Durch flache Hierarchien und lokale Entscheidungen kann sehr schnell auf Anforderungen und Rahmenbedingungen der Auftraggeber reagiert werden.“ Die jetzt vollzogene Institutsvernetzung biete den Industriepartnern einen „niederschwelliger Zugang“ zu anwendungsnahen Forschungsergebnissen und damit zu Innovationen von hoher Qualität.

 

Aufgaben und Ziele

Die Zuse-Gemeinschaft als dritte Säule im deutschen Wissenschaftssystem will Gesprächspartner für Politik und Wirtschaft zur Erarbeitung von Maßnahmen zur besseren Nutzung des Industrieforschungspotenzials sein. Sie fördert und unterstützt Wissenschaft, marktvorbereitende Forschung und den Ergebnistransfer in die Wirtschaft. Ein Mehr an Zusammenarbeit zwischen den Instituten in Forschungsverbünden sowie verstärkte internationale Aktivitäten sind ebenfalls Schwerpunkten der Arbeit.

 

Zu den Zielen der Zuse-Gemeinschaft gehören ferner: 

 

  • die Beschleunigung der industriellen Forschung und des Transfers inklusive der experimentellen Entwicklung und Markteinführung neuer Produkte, Technologien und Dienstleistungen in den Mittelstand hinein
  • die einheitliche Vertretung gemeinsamer Interessen gegenüber Bund, Ländern, Wirtschaft und Wissenschaftsorganisationen sowie der Öffentlichkeit
  • die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Einrichtungen der Industrieforschung u. a. durch gleichberechtigten Zugang zu programmatischer Förderung