Insbesondere in trockener und kühler Umgebung kann beim Begehen von textilen, elastischen und auch Laminatfußböden eine hohe statische Personenaufladung generiert werden. Damit einher geht das Risiko von plötzlichen, unerwarteten und unangenehmen Entladungen.

Zur Überprüfung solcher elektrostatischen Aufladungen an Bodenbelägen werden im Wesentlichen zwei Normen angewandt; die EN 1815 (elastische und Laminatbodenbeläge) sowie die ISO 6356 (textile Bodenbeläge). Beide Normen beschreiben personengebundene Begehverfahren, die sich im eingesetzten Sohlenmaterial, Untergrund und in der Art und Weise der Begehung unterscheiden. Dennoch gilt in beiden Fällen der Grenzwert für die Personenaufladung von 2 kV.

Begehverfahren, wie sie aktuell normativ Anwendung finden, besitzen eindeutige Defizite. Die Messergebnisse der elektrostatischen Aufladung hängen nicht nur von fixen Größen wie Klima, Material oder Oberflächenbeschaffenheit ab, sondern in erheblichem Maße auch von Parametern, die durch die Prüfperson bestimmt werden. Dabei spielen u. a. die Geschwindigkeit der Trennung des Begehschuhs von der Prüfoberfläche, der Gang oder auch die Kleidung eine Rolle. Die derzeitigen normativen Prüfverfahren sind ungenau, material- und zeitaufwändig und physisch belastend für das Prüfpersonal.

Ausgehend von den Ergebnissen eines vorangegangenen Forschungsvorhabens sollen die mit Hilfe des dort untersuchten Laboraufbaus erworbenen Erkenntnisse in eine technische Lösung überführt werden, die für die oben genannten Fußbodenbeläge funktioniert.

Ziel eines gemeinsamen Forschungsprojektes von TFI und IHD ist deshalb die Entwicklung eines anwendungsreifen Prüfverfahrens zur Quantifizierung und Klassifizierung der elektrostatischen Aufladung von Fußbodenbodenbelägen.

Die Prüfverfahrensentwicklung besteht aus einem Messgerät zur maschinellen Erzeugung und Messung der elektrostatischen Aufladung eines Bodenbelags durch das TFI und der Prüfmethode zur Klassifizierung des Aufladeverhaltens unter Norm- und Praxisbedingungen durch das IHD. Es wird ein maschineller worst-case Bewegungsablauf fokussiert, der mit den Reibpartnern Sohle und Boden eine charakteristische Aufladung erzeugt. Die methodische Auswertung entscheidet dann über die elektrostatische Eingruppierung des Bodenbelages.

Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen der marktorientierten Forschung und Entwicklung über das Innovationsförderprogramm INNO-KOM. Projektträger ist die EuroNorm GmbH.

Pressemitteilung des IHD vom 01.03.2022.