Technische Phasenwechselmaterialien zur Speicherung von Wärme oder Kälte sind seit langem einer der Arbeitsschwerpunkte am Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung (TITK). Jetzt helfen Verbundplatten aus Rudolstadt, die COVID-19-Impfstoffe schnell und sicher an ihre Bestimmungsorte zu bringen. Die TITK-Tochter smartpolymer fertigt 8.500 Stück im Auftrag eines Luxemburger Spezialunternehmens.

Rudolstadt –  Die 370 mal 170 Millimeter großen und 5 Millimeter dicken Verbundplatten enthalten ein Phasenwechselmaterial zur Temperaturstabilisierung. Sie werden in Transportboxen verbaut, die zur Kühlung von Impfstoffen, Blutprodukten oder medizinischen Proben dienen. Das Material hilft damit auch im Kampf gegen COVID-19.

Seit 2019 hatten zwischen dem Auftraggeber und der TITK-Gruppe Materialbemusterungen und Verarbeitungsversuche stattgefunden. Jetzt ist ein längerfristiger Rahmenvertrag mit der smartpolymer GmbH Rudolstadt geplant. Bis Ende Februar werden zunächst 8.500 Platten aus Rudolstadt geliefert. „Das ist unser Beitrag, um ganz aktuell die logistische Mammut-Aufgabe der Impfstoff-Verteilung zu lösen“, kommentiert TITK-Direktor Benjamin Redlingshöfer, zugleich einer der Geschäftsführer der smartpolymer.

Das Kühlmaterial war am TITK in einem vom Bund geförderten Projekt entwickelt worden. Ziel war eine innovative Folie, die es durch ihre Eigenschaften allein oder in Kombination mit anderen Temperierungsmaßnahmen ermöglicht, geforderte Transporttemperaturen über den gesamten Lieferzeitraum hinweg sicherzustellen. Dank Integration eines Phasen-Wechsel-Materials (englisch: Phase Change Material - PCM) speichert die Folie thermische Energie. So kann zwischen -4 und +82 Grad Celsius eine individuelle Zieltemperatur eingestellt werden. 

Ob als Einlage, Auflage, Unterlage oder Umhüllung – die vom TITK entwickelte Folie ist kompatibel zu allen bekannten Transport- und Aufbewahrungssystemen. Die Grundlage bilden selbst entwickelte PCM-Polymer-Compounds, die thermoplastisch verarbeitet werden können. Dies  ermöglicht auch Halbzeuge in Form von Spritzgusskörpern oder Verbundmaterialien – so, wie die Platten für Luxemburg. Speziell für diesen Auftrag wird das PCM-Material noch mit Aluminium kaschiert und mit einer zusätzlichen Kantenversiegelung versehen.

Mit diesen Eigenschaften sowie in Kombination mit weiteren Zuschlagstoffen (z.B. Graphit zur Erhöhung der Wärmeleitfähigkeit) kann das Temperaturmanagement für eine Vielzahl weiterer technischer Anwendungen wie etwa in der Elektrotechnik, in der Energietechnik oder im Lebensmittel-  und Pharmazietransport gesteuert werden. Zusatzfunktionen, wie antibakterielle Eigenschaften oder aktives Heizen durch die Integration eines weiteren Materials, sind ebenfalls möglich, ergänzt TITK-Projektleiter Martin Geißenhöner.

Pressemitteilung des TITK vom 25.01.2021.