Das Kunststoff-Zentrum SKZ aus Würzburg und PART Engineering aus Bergisch Gladbach und starten ein gemeinsames Entwicklungsprojekt zur Langzeitauslegung von Kunststoffbauteilen. Der gezielte Einsatz zeitraffender Prüfmethoden und neuartiger Werkstoffmodelle sollen Zeitaufwand und Kosten drastisch reduzieren. Die intelligente Verarbeitung ausgewählter Werkstoffdaten zur akkuraten und umfassenden Beschreibung des Langzeit-Verformungs- und -Versagensverhaltens von Kunststoffen soll für Effizienzsteigerung und Benutzerfreundlichkeit sorgen.

Die Beschaffung von Langzeit-Werkstoffdaten für die Simulation von Kunststoffbauteilen ist für Berechnungsingenieure und Konstrukteure oft eine große Herausforderung. Valide und aussagekräftige Daten zum Langzeit-Verformungsverhalten (Kriechkurven) und -Versagensverhalten (Zeitstandkurven) sind in vielen Fällen nicht vorhanden. Grund dafür ist der große Aufwand, um diese Daten experimentell zu ermitteln. Denn die erforderlichen Langzeit-Kriechversuche sind sehr zeit- und kostenintensiv.

Prüfmethoden effizienter gestalten

Mit einem kürzlich gestarteten zweijährigen Entwicklungsvorhabens wollen PART Engineering und das SKZ dieses Thema angehen und Lösungen entwickeln. Das Vorhaben zielt einerseits darauf ab, die erforderlichen Prüfmethoden effizienter zu gestalten und zu automatisieren. Diese Fortschritte sollen Prüfzeiten und -kosten erheblich reduzieren. Das SKZ wendet hierzu u. a. die sogenannte Stepped IsoStress Method (SSM) an, ein beschleunigter Kriechversuch mit Spannungsstufen. PART Engineering entwickelt eine Methode, um Kriechkurven auch auf Basis von wenigen Werkstoffdaten zu berechnen. Hierzu werden mathematische Werkstoffmodelle eingesetzt. Als Hauptziel des Vorhabens streben beide Partner an, das Langzeit-Verformungsverhalten bis zum Versagenszeitpunkt komplett abzubilden. Als Ergebnis liegen somit Kriechkurven vor, die nicht nur das langzeitige Verformungsverhalten, sondern auch den Versagenseintritts beschreiben.

„Nutzen für Kunden erhöhen“

„Wir sind mit dem SKZ bereits seit vielen Jahren partnerschaftlich verbunden. Zum einen als Mitglied der Fördergemeinschaft, aber auch als industrieller Partner bei der Begleitung von Forschungsvorhaben. Umso mehr freut es uns, dass wir nun unsere Zusammenarbeit auch in einem gemeinschaftlichen Entwicklungsvorhaben intensivieren“, sagt Dr. Wolfgang Korte, Geschäftsführer bei PART Engineering. „Die Ergebnisse werden in unsere Softwareprodukte einfließen und den Nutzen für unsere Kunden erhöhen. Dabei legen wir besonderen Wert darauf, dass die Ergebnisse in einfacher Weise nutzbar gemacht werden. Unser Anspruch als Softwareanbieter ist es, durch eine intelligente Verarbeitung bereits existierender Werkstoffdaten einen spürbaren Mehrwert in Form von Aussagekraft oder Datenabdeckung der Simulation zu erzielen.“

„Mit minimalem Aufwand generieren“

„Auch wenn gar keine Daten vorliegen, wollen wir Unternehmen befähigen, diese mit minimalem Aufwand zu generieren. Unsere langjährige Erfahrung mit zeitraffenden mechanischen Prüfungen fließt in die Optimierung der Prüfmethodik für die industrielle Praxis ein“, sagt Dr. Kurt Engelsing, Geschäftsfeldleiter Bauteileigenschaften am SKZ. „Dabei legen wir besonderen Wert auf eine automatisierte Auswertung zur Steigerung der Effizienz und einfachen Handhabung für den Anwender. Die neuen Werkstoffmodellen eröffnen den Unternehmen somit deutliche Zeit- und Kostenvorteile bei der Langzeitauslegung ihrer Kunststoffbauteile.“

Ideale Ergänzung

Beide Partner ergänzen sich in idealer Weise, um das angestrebte Entwicklungsziel zu erreichen. Das SKZ bringt über viele Jahrzehnte aufgebaute Expertise im Bereich der Prüfung von Kunststoffen und der Ermittlung von Langzeitdaten ein. PART Engineering ist seit über zwei Jahrzehnten eine renommierte Adresse, wenn es um die Simulation und Werkstoffmodellierung von Kunststoffen geht. Das Entwicklungsvorhaben wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) gefördert. Die breite Kundenbasis beider Partner sowie die Softwareprodukte von PART Engineering garantieren eine Verbreitung der Entwicklungsergebnisse in die industrielle Praxis.  

Pressemitteilung des SKZ vom 28.02.2022.