Am 12. und 13. Dezember 2019 begrüßte das Institut für Holztechnologie Dresden (IHD) über 180 Fachleute zum 13. Holzwerkstoffkolloquium in Dresden. Zahlreiche Vertreter aller namhaften Holzforschungsinstitutionen des deutschsprachigen Raumes sowie Industrievertreter verfolgten interessiert die insgesamt 22 Fachvorträge.

Das Thema der diesjährigen Veranstaltung hieß „Vernetzen“. Dies zog sich nicht nur durch die Vorträge, sondern auch durch die diversen Pausen, die intensiv für Austausch und Vernetzung genutzt wurden.

„Die Veranstaltung ist bis auf den letzten Platz ausgebucht, die Stimmung ist gut, man fühlt sich wie auf einem großen Klassentreffen.“, so Prof. Dr. Steffen Tobisch, Institutsleiter des IHD.

 Prof. Tobisch begrüßte die Teilnehmer im Konferenzzentrum des IHD und dankte den zahlreich erschienenen Gästen und Sponsoren, die zum Gelingen der Veranstaltung beitrugen.

Dr. Detlef Krug (IHD), der Tagungsleiter und Moderator des ersten Veranstaltungstages, stellte das Thema der Veranstaltung „Vernetzen“ in den Fokus. Dieses Thema spielt für Menschen und Technologien im Zeitalter der Digitalisierung auch in der Holzwerkstoffindustrie eine herausragende Rolle. Das „Vernetzen“ von neuen Rohstoffen und Bindemitteln im Werkstoff selbst sichert die Einhaltung aktueller gesundheitlicher Anforderungen sowie eine Akzeptanz bei Planern und Verbrauchern. Die hervorragende Industriebeteiligung kommt dadurch zum Ausdruck, dass mehr als zwei Drittel der insgesamt 190 Teilnehmern aus der Holzwerkstoff-, der Klebstoff- und Zuliefererindustrie sowie aus dem Maschinen-, Anlagen- und Messgerätebau kamen.

Den fachlichen Teil der Vorträge eröffnete Herr Florian Zeller (GD Holz), der zum aktuellen Thema Europäischer Binnenmarkt vs. nationale Alleingänge am Beispiel Formaldehyd und VOC – Wie passt das zusammen? referierte. Für Zeller ist klar, dass eine rein deutsche Regelung in einem Europäischen Binnenmarkt herzlich wenig bringt und eine einheitliche europäische Regelung schnellstmöglich beschlossen werden muss.

Am ersten Veranstaltungstag wurden unter anderem die neuesten Erkenntnisse zu den Themen „Automatisierte Bestimmung von Formaldehydemission aus Holzwerkstoffen“, „Einfluss der Kaltklebrigkeit auf die Vernetzung von UF-Harzen“ sowie zu „Bindemitteleinsatz und Mahlplattenentwicklung in der Herstellung von Holzfaserdämmstoffen“ präsentiert.

Am Nachmittag des zweiten Veranstaltungstages kam wieder der wissenschaftliche Nachwuchs zu Wort. Sieben junge Wissenschaftler stellten ihre derzeitigen Arbeiten in Kurzvorträgen vor - das Publikum durfte dann seine Favoritin bzw. seinen Favoriten wählen. Den ersten Preis erhielt Torben Marhenke (Leibniz Universität Hannover) mit seinem Kurzbeitrag zum Thema „Neuartige, zerstörungsfreie Bestimmung von Querkontraktionszahlen“. Der zweite bzw. dritte Platz gingen an Pouria Rezaee (Universität Hamburg) und Sebastian Siwek (Technische Universität Dresden).

Der rege Erfahrungsaustausch wurde natürlich zur traditionellen Abendveranstaltung in diesem Jahr erstmalig im Lingner Schloss gemütlich fortgesetzt.

Zu Beginn des zweiten Veranstaltungstages, der von Prof. Dr. Steffen Tobisch (IHD) moderiert wurde, veranschaulichte Per Berggren seine sehr abwechslungsreich vorgetragenen Vorstellungen über eine aufwändige, hochautomatiserte Möbelfertigung bei IKEA. Erkennbar schreitet IKEA voran und wird Anfang 2020 in Polen eine erste, mehr oder weniger vollständig digitalisierte Möbelproduktion in Betrieb nehmen, nächste Betriebe sollen zeitnah folgen.

Das Thema Nachhaltigkeit ist derzeit in aller Munde, deshalb durfte es auch beim diesjährigen Holzwerkstoffkolloquium nicht fehlen. Jochen Kamm und Daniel Schwartze (Dieffenbacher GmbH) berichteten über Erfahrungen, Fallstricke und best practice-Beispiele bei Recycling, Aufbereitung und Weiterverarbeitung von Althölzern zur fertigen Holzwerkstoffplatte. Sie stellten dar, was der Begriff Altholz eigentlich bedeutet, welche Kategorien es gibt und wie es in die verschiedenen Bestandteile zerlegt werden kann. Anschließend erklärte Dr. Thomas Schneider in seinem Vortrag, wie man die Verleimbarkeit von Recyclingfasern durch das Auswaschen der Fasern und somit der Entfernung der Abbauprodukte deutlich verbessern und damit die Plattenqualität steigern kann.

Beim Baumpflegeschnitt entstehen zahlreiche Abfälle. Philipp Lüssenhop und Dr. Ina Körner (Technische Universität Hamburg) präsentierten Ergebnisse aus ihrem Projekt zu Landschaftspflegeholz als Bioressource zur stofflichen Verwendung.

Weiterhin informierten Friedemann Diehl (Hochschule Rhein-Main) über die Weiterentwicklung von Bauteilen aus mehrlagig verklebten OSB, Peter Stuckenberg (IHD) zu Inline-Messverfahren zur Charakterisierung der Fasermorphologie und Dr. Dirk Grunwald (Huntsman BVBA) zu Spanplatten mit reiner MDI-Verklebung.

Die hohe Teilnehmerzahl und die Diskussionsfreude des Auditoriums zeigten das Interesse an den präsentierten Themen und lassen den Veranstalter auf eine gelungene Veranstaltung zurückblicken. Das nächste Holzwerkstoffkolloquium ist für den 16./17. Dezember 2021 geplant.

Pressemitteilung des IHD vom 2. Januar 2020