Was ist schon besonders an einem klassischen Thermometer, wo man doch jederzeit am Handy die Temperatur erfahren kann? Thermometer mit Glasröhrchen und einer darin eingeschlossenen Flüssigkeit gibt es seit etwa 350 Jahren. Das neue 2,5 Meter hohe Thermometer an der Außenfassade des ILK Dresden ist jedoch etwas Besonderes. Sein Temperaturspektrum reicht von +100 °C bis -273°C! Wie hoch oder tief die blauen LED-Lämpchen steigen und fallen können, demonstrieren die Dresdner Wissenschaftler heute in verschiedenen Experimenten vor den Augen geladener Gäste. Gemeinsam mit den Schülern des Dresdner Kreuzgymnasiums und dem Amtsleiter für Wirtschaftsförderung Dr. Robert Franke enthüllt ILK-Geschäftsführer Professor Uwe Franzke heute das Thermometer.

Das Thermometer an der Außenfassade das ILK Dresden hat viele Hintergrundinformationen. So findet man Schlagworte wie: +45°C Wärmepumpe, -25°C niedrigste Temperatur in Dresden, -75°C Lagerung von Blutplasma, -89°C offizieller Kälterekord auf der Antarktis, -183°C flüssiger Sauerstoff als Raketentreibstoff oder auch das beliebte -7 °C Softeis. Ein QR-Code verweist darüber hinaus auf die Homepage des ILK. Hier können Interessierte weitere Inhalte zu den Temperaturen finden und Projekte, die das ILK Dresden in diesem Temperaturspektrum verwirklicht. ILK-Systeme und -Komponenten sind in der ganzen Welt zu finden. Die Bandbreite der Forschung und Entwicklung reicht von -273 bis etwa + 1.000 °C. Dazu zählen Untersuchungen bei der Speicherung von Wasserstoff, Tests beim Einfrieren von menschlichen Zellen, Effizienzmessungen von Wärmepumpen, Prüfen von Strömungsverhältnissen im Transrapid, die Beurteilung der Luftqualität im Kanzleramt, Verfahrensentwicklungen für saubere Raumluft ohne COVID-19-Viren, Verträglichkeitsuntersuchungen von verschiedenen Materialien in Kreisläufen von PKW-Klimaanlagen als auch die Entwicklung von Möglichkeiten, die Sonne für die Kälteerzeugung zu nutzen.

Mitten in der Stadt Dresden gibt das Unternehmen seit fast 60 Jahren vielen hundert Wissenschaftlern einen abwechslungsreichen Arbeitsplatz. „Diese lokale Verbundenheit hat uns auf die Idee gebracht, den Dresdnern mehr Einblicke in kälte- und klimatechnische Technologien zu geben.“, so Prof. Franzke und weiter: „Besonders wichtig ist uns, die Schulleiter und Lehrer zu erreichen, um gemeinsam mit ihnen, die Dresdner Schüler für die Naturwissenschaften zu begeistern und ihnen an praxisnahen Beispielen zu zeigen, welche Möglichkeiten sich Ihnen in den MINT-Fächern eröffnen und vor allem welchen Beitrag sie selbst einmal für eine lebenswerte Zukunft leisten können.“

Manchmal hören wir Fragen wie: Wofür braucht man tiefe Temperaturen?

Die Antwort ist einfach: Ohne Kältetechnik ist ein modernes Leben wie wir es heute kennen, nicht möglich. Das fängt mit dem Kühlschrank bzw. dem Tiefkühlschrank an. In der Medizin braucht man Kälte für die Darstellung des Körperinneren, die Klimaanlage im Auto sorgt nicht nur für mehr Komfort sondern auch für mehr Sicherheit und nicht zuletzt ist die Wärmepumpe ein unverzichtbarer Bestandteil der Energiewende. Ohne Tieftemperaturtechnik gibt es kein Grundverständnis über die Entstehung unseres Universums. Die Reinraumproduktion von Chips – auch für unsere Handys – setzt genau definierte Temperaturen in den Produktionsstätten voraus.

Die Höhe des Thermometers: 2,5 Meter oder 75 Kilometer?

2,5 Meter sind nicht mehr klein aber im Maßstab des Universums gesehen - winzig. Im Inneren unserer Sonne ist die Temperatur des Plasmas bei 15.000.000°C. Hätten wir ein Thermometer in diesem Temperartur-Spektrum entwickelt und den gleichen Maßstab genutzt, wäre eine Skala mit einer Länge von 75 km entstanden. Dennoch wird das ILK Dresden-Thermometer ein interessanter Anziehungspunkt sein.

Pressemitteilung des ILK vom 07.03.2022.