Was auf dem Eis der Gangneung Ice Arena in Pyeongchang so leichtfüßig schwebend aussieht, ist das Ergebnis jahrelangen harten Trainings. Jeder mehrfach gesprungene Salchow oder Toeloop besteht aus komplexen und für jeden Sportler individuellen Bewegungsabläufen. Eine ausgefeilte Sensorik, die in spezielle Trägertextilien eingesetzt wird, analysiert diese Abläufe ganz genau und optimiert damit das Training der Athleten. Die Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung (DITF) in Denkendorf haben die textilen Träger für das von der Universität Stuttgart entwickelte Tool entwickelt. Auch die Goldmedaillengewinnerin Aljona Savchenko hat das Messsystem bereits getestet.

Das Projekt trägt den Namen MISSIE3, was für „Mess- und Informationssystem für Sprünge im Eiskunstlauf“ steht. Mit MISSIE3 werden Absprung und Landung, Flugzeit, Stützzeit und Rotationsgeschwindigkeitsverlauf genau erfasst und analysiert. Vier Beschleunigungs- und Bewegungs-Sensoren kommen dabei zum Einsatz: einer im Bereich der Brustwirbelsäule, einer an der Lendenwirbelsäule und jeweils einer an jedem Schlittschuh. Mit Hilfe einer App sieht der Trainer bereits Sekunden nach dem Sprung die Bewegungen des Beckens, der Schulter des Athleten sowie die Rotation um die Körperlängsachse als farbige Graphen auf seinem Tablet dargestellt. Hat der Laie schon Mühe zu erkennen, ob ein Sprung nun drei- oder vierfach gesprungen wurde, so ist es auch für einen erfahrenen Trainer oft schwierig, Fehler in den einzelnen Bewegungsabläufen zu erkennen.

Der Trainer kann das System intuitiv selbst bedienen und mit den Bewegungsinformationen während des Trainings die Bewegungsabläufe analysieren und verbessern. Die Textilien mit den Sensoren sind sehr leicht und angenehm zu tragen. Mit MISSIE3 können Koordination und Körperspannung auf den einzelnen Athleten abgestimmt trainiert und damit die Leistung langfristig optimiert werden.

Gerade für die Nachwuchsarbeit sind einfach anzuwendende Analysemethoden wichtig. Die Übungszeit wird optimal genutzt und der Sportler nicht überfordert. Dies ist umso wichtiger, da die Anforderungen im Eissport stetig wachsen. In Zukunft sollen Fünffachsprünge die heute üblichen Vierfachsprünge ablösen.

Das Projekt wurde vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft gefördert.

DITF-Pressemitteilung vom 23. Februar 2018