Wir brauchen sie für Bau und Instandsetzung von Straßen und Gleisanlagen sowie für die Gestaltung gewaltiger Kulturlandschaften und architektonischer Landmarks. Betonbauwerke erscheinen dank ihrer Eigenschaften plötzlich hauchzart. Sogar Kühe können von ihnen profitieren: Bautextilien. Die Vielseitigkeit textiler Baumaterialien bietet funktionale wie ästhetische Vorteile. Der Klimawandel und die darin begründeten Forderungen nach Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und einem schonenden Umgang mit den Ressourcen der Erde stellt gegenwärtig zudem neue Anforderungen an das textile Bauen in jeder Form.

Am 29. und 30. Januar 2020 widmete sich das 14. Bautextilien-Symposium BAUTEX in Chemnitz dem vielseitigen Baustoff und seinen neuesten Möglichkeiten. So demonstrierte Architekt Stev Bringmann, 3dtex GmbH, im Plenarvortrag anhand spektakulärer Textilbauwerke die diffizilen Zusammenhänge zwischen Funktion, Ästhetik und Technik, die Architekten bei der Planung und Umsetzung beim Bauen mit Textilien umtreiben. Aus Sicht der Hersteller schilderte Dr. Lars Vollmert, Naue GmbH & Co. KG, das Nachhaltigkeitspotenzial von Geokunststoffen: langlebigere Bauwerke zu schaffen, sortenreines Recycling bei der Errichtung von Straßen u.Ä. bereits mit zu planen und nicht zuletzt der Einsatz biobasierter Materialien, dort wo es die Bauanforderung zulässt. Eine bautextile Anwendung im Sinne der Energieeffizienz und Ressourcenschonung schlechthin sind Erdbeckenwärmespeicher. Verbunden mit Solarthermieanlagen stellen sie quasi einen XXL-Energiespeicher dar, deren Wirtschaftlichkeit mit der Speicherkapazität wächst. Fassungsvermögen von über 100.000 m³ sind keine Seltenheit mehr. Geokunststoffe kleiden diese Becken aus, dämmen und dichten sie ab, wie Thomas Labda, GSE Lining Technology GmbH, aus dBildquelle STFIer Praxis berichtete. Textilbewehrter Beton dagegen lässt filigrane Bauwerke im Hochbau zu, wie Heike Metschies, STFI, vorstellte. Dr. Daniel Franitza, FE-Union, zeigte im Anschluss, wie die Zulassung und Nachweisführung für die dünnwandigen Betonstrukturen mithilfe von Simulationen gelingen kann. Und wie schließlich auch Kühe von Geotextilien profitieren können, veranschaulichte Hartmut Hangen, HUESKER Synthetic GmbH. Denn dank Bautextilien gut durchlüftete Ställe sind der Kuhgesundheit bewiesenermaßen zuträglich. Das klassische Anwendungsgebiet für Geotextilien, der Straßen- und Bahnbau, wurde in weiteren Vorträgen erörtert. Thematisiert wurden Asphalteinlagerungen für die Straßensanierung, Geogitter im Gleisbett sowie ein Überblick der Infrastrukturprojekte der Deutschen Bahn im Südosten von Deutschland. Die DB kann klar als Profiteur der geänderten gesellschaftlichen und damit einhergehend politischen Haltung gelten. wie Martin Walden, Deutsche Bahn AG, anhand des aktuellen Investitionsvolumens der DB in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen skizzierte. Auch die Digitalisierung macht vor Geotextilien nicht Halt: Aleksander Wosniok, Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, stellte zum Abschluss des Symposiums sensorbasierte Geogitter und -textilien vor, die durch faseroptische Sensoren eine ortsaufgelöste Zustandsüberwachung zulassen.

Angeregte Pausengespräche in der begleitenden Industrieausstellung des Symposiums ließen keinen Zweifel – das aufgefrischte Veranstaltungskonzept am neuen Veranstaltungsort kam bei den Besuchern gut an. Das abendliche Get Together im Restaurant des Chemnitzer Hofs bot nochmals Gelegenheit für individuelle Gespräche zwischen Herstellern, Anwendern und Forschern. Marian Hierhammer, Leiter der STFI-Prüfstelle, nimmt für die Zukunft eine weitere Zielgruppe ins Visier: „Ich würde mich freuen, wenn wir zum 15. Bautextilien-Symposium auch Behörden an den Tisch bekommen, um auch Themen der Projektausschreibung hinsichtlich der Geotextilien mit den Ausschreibungsprofis erörtern zu können.“

Pressemitteilung des STFI vom 11.02.2020