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Ackerbohne

Eine vielseitige Hülsenfrucht: die Ackerbohne. Foto: Zuse-Gemeinschaft

Der Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft und ihre Auswirkungen auf die Biodiversität. Kaum ein Thema wurde in den zurückliegenden Jahren mit solcher Heftigkeit diskutiert, wie dieses. Einen ganz anderen Ansatz beim Pflanzenschutz verfolgt jetzt der Pilot Pflanzenöltechnologie Magdeburg e.V. (PPM): Dort will man untersuchen, ob sich Nebenprodukte von Pflanzen für die Herstellung eines Bio-Insektizids eignen.

Derzeit gebe es aus technologischen und wirtschaftlichen Gründen keine ökologisch unkritische und nachhaltige Methode zur Bekämpfung von Insekten, die beispielsweise Bäume schädigen, so PPM-Geschäftsführerin Dr. Sara Hadjali. Mit ihrem Team will sie nun in dem Anfang des Jahres gestarteten Forschungsprojekt der Frage nachgehen, ob die in den Schalen von Ackerbohnen befindlichen Stoffe als Basis zur Herstellung eines natürlichen Insektizids geeignet sind. Dazu werden die Schalen getrocknet und sekundäre Inhaltsstoffe extrahiert; auch die Extrakte aus den Schalenfraktionen von Raps und Sonnenblumen sollen genauer untersucht werden. Angelegt ist das Projekt auf zwei Jahre. Es wird vom Bund mit rund 750.000,- Euro gefördert und von der TU Berlin wissenschaftlich begleitet. Mit an Bord sind auch zwei Unternehmen: eine Firma stellt Biosubstanzen her, Tests werden in einem Garten- und Landschaftsbaubetrieb stattfinden.

Mit der Ackerbohne beschäftigt sich das PPM bereits seit einiger Zeit, u.a. in der Forschung mit anderen Partnern aus der Deutschen Industrieforschungsgemeinschaft Konrad Zuse e.V. (Zuse-Gemeinschaft) zu nachhaltiger und gesunder Ernährung. Die Hülsenfrucht wird auch in Sachsen-Anhalt angebaut und heute vor allem als Tierfutter genutzt. Früher wurde die proteinreiche Bohne auch zu Mehl verarbeitet.

Das 1993 gegründete PPM ist eine private Forschungseinrichtung und eins der 78 Mitgliedsinstitute der Zuse-Gemeinschaft. Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – Biochemiker, Biotechnologen, Lebensmitteltechniker und Laboranten – untersuchen, wie Ölsorten und Proteine verarbeitet und deren Nebenprodukte sinnvoll verwertet werden können. Bislang konnten mehr als 120 Forschungsprojekte abgeschlossen werden: Entwickelt wurden beispielsweise eine Beschichtung für Parkettboden aus pflanzlichem Öl oder auch Farben aus Algen. Wichtig ist dabei stets, Produkte aus nachhaltigen Rohstoffen zu entwickeln und zu nutzen sowie auf heimische Ressourcen zu setzen.

Wie viele in der Zuse-Gemeinschaft zusammengeschlossenen Industrieforschungseinrichtungen ist auch das PPM ein Partner der mittelständischen Wirtschaft für Transfer und Innovation: Die Institute der Zuse-Gemeinschaft begleiten ihre Unternehmenspartner bei der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse bis zur Marktreife – teilweise als ausgelagerte F&E-Abteilungen, teilweise als Forschungspartner. So tragen Sie zum Erfolg der ökologisch-gesellschaftlich-ökonomischen Transformationsprozesse bei und helfen, Herausforderungen wie den Klimawandel und die Dekarbonisierung nachhaltig und erfolgreich zu gestalten.