Erfolgsgeschichten

Wie lassen sich Wetterprognosen zum Nutzen von Wasserwirtschaft, Umwelt und Verbrauchern möglichst zügig und zuverlässig mithilfe von Fahrzeugen aktualisieren? Das erkundet das Projekt mobile view des Forschungsinstiuts für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen.

In Mülheim an der Ruhr verdüstert sich plötzlich der Himmel. Ein Gewitter geht über der Stadt nieder – entgegen der Wetterprognosen. Im Zentrum und an den Brücken über der Ruhr sitzen Tausende Pendler in ihren Pkw fest, darunter auch Fahrer der Emschergenossenschaft und des Lippeverbandes (EGLV), dem regionalen Wasserverband, der Aufgaben der Gewässerunterhaltung, Abwasserableitung und –reinigung sowie Grundwasserbewirtschaftung übernimmt.

Die Scheibenwischer ihrer Fahrzeuge sind – wie bei Tausenden anderer Pkw im Stau neben ihnen – nach den ersten Regentropfen automatisch angesprungen.  Seit aus den einzelnen Tropfen ein Wolkenbruch wurde, flitzen sie über Windschutz- und Heckscheibe.

Was den Fahrern an der Ruhr freie Sicht gibt, bringt 15 Kilometer weiter westlich in der Essener Zentrale des Wasserverbandes die Rechner ins Rotieren. Denn die EGLV-Fahrzeuge und mit ihnen das Tempo ihrer Scheibenwischer-Rotation sind über Mobilfunk direkt mit einem Wetterprognosesystem verbunden. Das vergleicht die übermittelten Informationen aus den Autos mit  anderen Daten, so vom Regenradar oder von Niederschlagsmesswerten der Bodenstationen.

Das ist keine Utopie, sondern Dreh- und Angelpunkt beim Forschungsprojekt mobileVIEW des Forschungsinstituts für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen (FiW). Im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums und mit Partnern, u.a. EGLV, arbeitet das FiW mit mobileVIEW daran, dass die Wasserwirtschaft auf Starkregen künftig besser reagieren kann. Momentan reichen das Tempo der Datenverarbeitung  und die Anzahl der Stationen aber noch nicht aus, um die Rechenmodelle entsprechend zu füttern.

Pkw-Technik für die Wasserwirtschaft nutzen
Ziel der Forschung: Mithilfe einer schnellen Korrektur von Wetterprognosen möglichst in Echtzeit auf Niederschläge reagieren, um Klärwerke und Kanalsystem so vorzubereiten, dass sich möglichst gut mit den von Westen nahenden Wassermassen umgehen lässt.

Als Region mit einem großen Anteil an Industriegebieten und hoch verdichteten Siedlungsräumen mit starker Flächenversiegelung in weiten Teilen seines sich vom Niederrhein bis ins Münsterland erstreckenden Einzugsgebietes bringt die EGLV für das Projekt geographisch gute Voraussetzungen mit.

„Für uns als Wissenschaftler, die nah an der gesellschaftlichen und unternehmerischen Wirklichkeit forschen, ist die Emschergenossenschaft ein wertvoller Praxispartner, dem es darum geht, technische Neuerungen zielgerichtet umzusetzen. Dazu gehört eine wassersensible Stadtentwicklung ebenso wie die Digitalisierung der Wasserwirtschaft“, sagt FiW-Bereichsleiterin Dr. Gesa Kutschera.

Solch Offenheit für Partner von außen ist auch für FiW-Geschäftsführer Dr. Friedrich-Wilhelm Bolle eine der Aufgaben, vor der Deutschlands Wasserwirtschaft künftig steht. Das gilt für ihn nicht zuletzt auch angesichts der in Deutschland spürbaren Folgen des Klimawandels. Um sich künftig auf zunehmend schwankende Niederschlagsmengen und Extremereignisse wie Starkregen einstellen zu können, ist mobileVIEW  ein wichtiger Mosaikstein.

Einen ausführlichen Bericht zum Stellenwert der Forschung für die Wasserwirtschaft in der Zuse-Gemeinschaft lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der UmweltBriefe.