Update Forschungspolitik

Dr. Norbert Arnold, bei der Konrad-Adenauer-Stiftung verantwortlich für Wissenschaft, Forschung und Technologie, im Interview mit den ZUSE TRANSFERNEWS zu politischen Handlungsfeldern für die Weiterentwicklung der (Berufs-)Bildung in Deutschland, über die Rolle externer Forschungseinrichtungen und den Stellenwert von KMU.

Herr Arnold, als Denkfabrik setzt die parteinahe Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) Impulse für politische Debatten, gibt aber auch konkrete Empfehlungen heraus. So erschien 2018 das KAS-Papier „Die Zukunft des Wissenschaftssystems“ mit zehn konkreten Empfehlungen. Hat man auf Ihren Rat in der Politik gehört?

Die Politik ist nach meinem Eindruck sehr offen für neue Ideen. Dies gilt besonders für den Forschungsbereich, der für die Innovationsfähigkeit Deutschlands besonders wichtig ist. Die Förderung von Hochschulen für Angewandte Wissenschaft und von Fachhochschulen (HAW/FH), eine ausgeprägte Profilbildung und Ausdifferenzierung von Universitäten, bessere Rahmenbedingungen für die Internationalisierung und die Stärkung des europäischen Forschungsraums sind Empfehlungen aus unserem Papier zur Zukunft des deutschen Wissenschaftssystems, die in der Politik auf fruchtbaren Boden fallen.

Aus meiner Sicht ist es wichtig, nicht nur abstrakt gehaltene Ziele zu formulieren, sondern auch konkrete, politisch gangbare Schritte aufzuzeigen, um diese Ziele zu erreichen.

Deutschland schnitt in internationalen Innovations-Rankings zuletzt meist sehr gut ab, allerdings betreiben immer weniger Unternehmen in Deutschland Forschung und Entwicklung. Betrachten Sie das als Problem oder sehen Sie es als Teil eines Konzentrationsprozesses?

Das bislang gute Abschneiden Deutschlands in Innovations-Rankings belegt seine Leistungsstärke. Nach überstandener Corona-Krise wird es für die deutsche Wirtschaft darum gehen, technologische Spitzenpositionen in ihren jeweiligen Branchen und Nischen zu halten. Dazu brauchen wir gerade in der Krise eine effiziente Förderung von Forschung und Entwicklung. 

Deutschland liegt z. B. im BDI-Innovationsindikator seit etlichen Jahren in der Spitzengruppe. Bei genauerem Hinsehen werden jedoch Schwachpunkte deutlich. So nimmt etwa der Abstand innerhalb der Spitzengruppe deutlich zu; Deutschland verliert also im Vergleich zu anderen Ländern an Boden. Auch das EFI-Jahresgutachten 2020 zeigt in vielen Bereichen Defizite auf, die Ansporn zu Verbesserungen sein müssen.

Dass immer weniger Unternehmen in Deutschland Forschung und Entwicklung betreiben, ist eines von vielen Alarmsignalen. Nicht zuletzt auch KMUs müssen besser in die Lage versetzt werden, F&E zu betreiben. Die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung war eine überfällige Maßnahme. Weitere Schritte müssen folgen. Besonders wichtig sind externe Forschungseinrichtungen, die den Bedürfnissen der Unternehmen entsprechen.

Wo sollten in den kommenden Jahren die Schwerpunkte in der Bildungs- und Forschungspolitik des Bundes Ihrer Meinung nach liegen?

In der Bildung benötigen wir bundesweite Standards zur Qualitätssicherung – über alle Bildungseinrichtungen hinweg: von der frühkindlichen Bildung und Schule bis hin zur beruflichen und akademischen Bildung und darüber hinaus in der Weiterbildung, die gerade für Unternehmen immer wichtiger wird.

In der Forschung sollte der Exzellenzgedanke konsequent weiterverfolgt werden. Dies gilt für die Grundlagenforschung genauso wie für die anwendungsorientierte und unternehmensnahe Forschung. Dazu gehören eine ausreichende Grundfinanzierung, Autonomie, gute Governance und außerdem Leistungsanreize – nicht nur für Universitäten, sondern auch für HAW/FH.

Dr. Norbert Arnold studierte Biologie. Nach Forschungstätigkeiten als Molekularbiologe an den Universitäten in Gießen und Zürich wechselte er 1993 zur Konrad-Adenauer-Stiftung und ist dort in der Abteilung Wirtschaft und Innovation für Wissenschaft, Forschung und Technologie zuständig.

Dieses Interview erscheint auch in den ZUSE TRANSFERNEWS 2/2020. Jetzt zu unserem kostenlosen Newsletter anmelden unter folgendem Link:
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