Update Forschungspolitik

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

2020 hat uns neue Wege aufgezeigt, Wissen zu teilen. Die ZUSE TRANSFERNEWS sind ein solcher Weg des Wissenstransfers. Ich freue mich daher, mich heute auf diesem Weg als neuer Geschäftsführer der Zuse-Gemeinschaft an Sie zu wenden.

Trotz allem – so begannen in den vergangenen Wochen viele Botschaften zum Jahreswechsel. Zwar prägt die Pandemie auch weiterhin unser Arbeiten, doch gibt es viel Grund für Optimismus – nicht nur durch die gestartete Impfkampagne gegen Covid-19.

Wir starten auch deshalb mit viel Optimismus ins neue Jahr, weil uns 2020 gezeigt hat: Anwendungsnahe Forschung ist gefragt und liefert tragfähige Antworten. Zu den 2020 an Instituten der Zuse-Gemeinschaft erzielten Erfolgen gehören Lösungen zum Schutz vor Covid-19, unter anderem aus Medizintechnik und Materialforschung. Diese Lösungen speisen sich aus interdisziplinär verankerter Expertise. Sie werden auch nach Überwindung der Pandemie für Wissenschaft und Industrie gebraucht.

Wie in den vergangenen Monaten, so werden wir neue Entwicklungen aus unseren Instituten eng verfolgen und online für Sie aufbereiten. Unsere neue Erfolgsgeschichte, diesmal von der Fogra, bietet mit ihrem Mix aus Mechanik und Elektronik einen kleinen Vorgeschmack.

Dazu gehört der Blick auf den Megatrend Digitalisierung. 2021 jährt sich zum 80. Mal die Erfindung der Z3 von Konrad Zuse, des ersten funktionsfähigen Digitalrechners. Anlass genug, um auf Deutschlands Rolle in der Digitalisierung zu schauen - und auf den Beitrag der angewandten Forschung in der Zuse-Gemeinschaft für die Digitalisierung in der deutschen Industrie. Die mit Input aus unseren Instituten entstandene Kurzstudie der Friedrich-Ebert-Stiftung zu 5G zeigt, wie anwendungsnahe Forschung als Gestalter aktueller Trends wirken kann.

Sei es im Labor oder im Büro: Im Austausch mit Forschungspartnern galt es 2020, neue Wege zu finden, Wissen zu teilen. Das ist gelungen. Doch nicht jede erfolgreiche Weiterbildung lässt sich von Prüfstand und Versuchshalle ins Netz verlegen. Um ihre Stärken im Wissenstransfer wieder voll ausspielen zu können, warten viele unserer Mitglieder daher dringend auf die Rückkehr in den Normalbetrieb.

Nicht nur die Umstellungen im Wissenstransfer haben 2020 vielen von ihnen zugesetzt. Umso willkommener war die im Sommer erreichte Aufnahme der Industrieforschung ins Corona-Konjunkturpaket der Bundesregierung. Dieses zeigte in der Umsetzung dann für die anwendungsnahe Forschung aber zugleich, dass es noch viel zu tun gibt in der Förderpolitik für die gemeinnützige Industrieforschung. Dringend notwendig ist ein eigener Haushaltstitel für die gemeinnützige Industrieforschung. Ein erster Schritt dafür ist die von uns geforderte bundesweite Öffnung des Programms INNO-KOM, um dieses zu einem innovationspolitischen Instrument weiterzuentwickeln, das der reinen Strukturförderung entwächst.

Dafür werden wir uns zur bevorstehenden Bundestagswahl verstärkt einsetzen. Die überzeugende Forschungsarbeit unserer Mitglieder mit ihren Innovationen hat dafür auch im Corona-Jahr viele neue Argumente geliefert.

Ihr

Dr. Klaus Jansen
Geschäftsführer der Zuse-Gemeinschaft