Kaum ein Land betreibt mehr Industrieforschung als Deutschland. Die im Gegensatz zu anderen Industrieländern vorwiegend mittelständisch geprägte Wirtschaft ist für seinen Innovationserfolg zunehmend auf anwendungsnahe Lösungsansätze aus der Wissenschaft angewiesen. Das Problem: Gerade diese Forschungssäule hatte bisher keine gemeinsame Stimme und Lobby. Das soll sich mit der im Frühjahr 2015 gegründeten Zuse-Gemeinschaft ändern. 

 

Nur eines von jährlich tausenden Beispielen für das notwendige enge und reibungslose Zusammenwirken zwischen Mittelstand und institutioneller Forschung, ohne die marktfähige Innovationen kaum zustande kämen:

 

Textile Elektroden zur Linderung von Dauerschmerzen

Bonn/Greiz. Gegen alle Erfahrung hat eine Gründerfirma aus Bonn mit einem textilelektronischen Rückenband als Therapieneuheit gegen Dauerschmerzen jetzt den Beweis angetreten, dass forschungsintensive Ideen im medizintechnischen Sektor nicht unbedingt acht oder zehn Jahre bis zur Marktreife benötigen. „Nach drei Jahren Produktentwicklung waren wir am Ziel“, bilanziert Dr. Christian Haberlandt, bei der Bomedus GmbH in Bonn als Leiter für Forschung und Klinische Studien tätig. 

 

Bei der Konzipierung des Erstprodukts (www.rueckenband.de) konnte das junge Medizintechnikunternehmen mit sechs Mitarbeitern auf frühere Forschungsergebnisse des in Greiz ansässigen Textilforschungsinstituts Thüringen-Vogtland (TITV) zurückgreifen. Das Institut für Spezialtextilien und flexible Materialien – Gründungsmitglied der Zuse-Gemeinschaft – hat mit den seinerzeit vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten textilen Elektroden für das Bomedo-Rückenband wichtige Grundlagen gelegt. Das durch Stromimpulse aus dem Textilmaterial heraus möglich werdende neue Stimulationsverfahren zielt darauf ab, das Schmerzzentrum von Patienten auszuschalten. 

 

Mit Niveau und Intensität komplexer, systemischer oder hochtechnologischer Entwicklungen in Großfirmen und Konzernen, die in hauseigenen Forschungs- und Entwicklungszentren (mit oder ohne externen wissenschaftlichen Input) Innovationen an den Start bringen, können kleinere und mittlere Unternehmen wie Bomedus – und das ist die übergroße Mehrzahl der Firmen – schwer mithalten. Ihre Stärke liegt dagegen im Detail, in ganz neuen Produkt- oder Dienstleistungsideen, die oftmals als Zulieferung in die Wertschöpfung auch der Großunternehmen einfließen. Sie liegt auch in Flexibilität, Agilität und Effizienz durch flache Hierarchien und schnelle Entscheidungsfindung. Genau diese Merkmale muss der jeweilige Wissenschaftsakteur in Innovationspartnerschaften aufweisen, um gemeinsam auf den Kundennutzen fokussiert erfolgreich sein zu können.

 

Stärken des Mittelstands durch effektive Förderung ausbauen

Während dem „German Mittelstand“ als Rückgrat der Wirtschaft vonseiten der Politik und in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit geschenkt wird, standen seine gemeinnützigen, privatwirtschaftlich organisierten Wissenschaftspartner als ausgeprägt mittelstands- und anwendungsorientierte Forschungseinrichtungen bisher eher im Schatten. „Unseren Instituten fehlte im Vergleich zu den Mitgliedern anderer Forschungsvereinigungen bisher eine gemeinsame Sichtbarkeit und Interessenvertretung; daraus ergaben sich Nachteile im Wettbewerb. Deswegen bündeln wir jetzt mit der Zuse-Gemeinschaft unsere Potenziale und drängen gegenüber der Politik auf Gleichbehandlung“, betont Vizepräsident Dr. Bernd Grünler und verweist darauf, dass die bisherigen Technologie- und Innovationsförderprogramme der Länder, des Bundes und der EU insbesondere zur Stärkung des strukturell benachteiligten Mittelstands mit Firmen mit bis zu 250 Mitarbeitern sehr begrüßenswert, aber nicht ausreichend sind. 

 

FuE-Partnerschaften als Königsweg

Deutschlandweit gibt es nach BMWi-Angaben über 100.000 mittelständische Unternehmen, die regelmäßig innovative Produkte, Verfahren und Dienstleistungen auf den Markt bringen – leider mit abnehmender Tendenz. Weil gerade kleinere Mittelständler – angefangen von der Eigenkapitalquote über die Zahl der Entwickler bis hin zur Marktdurchdringungskraft – objektive Handlungsgrenzen haben, sind sie auf externes Wissen in Form von Kooperationen angewiesen. Aufgabe der politischen Rahmensetzung ist es deshalb, die Zahl der aktiven FuE-Firmen durch Erhöhung der Mittel beispielsweise für das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) weiter zu steigern. „Auch die mit der Wirtschaft, insbesondere dem Mittelstand, kooperierenden Forschungseinrichtungen müssen durch auskömmliche Förderquoten in die Lage versetzt werden, die Unternehmen bedarfsgerecht zu unterstützen. Hier hat die Politik einen effektiven Hebel zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit in der Hand “ unterstreicht Vizepräsident Prof. Dr. Wolfgang Nebel.

 

Dabei erweist sich die zeit- und industrienahe Forschung an konkreten Produkten und Technologien für die Umsätze von morgen als Königsweg. Da die meisten Hochschulen und andere zum Teil namhafte Forschungseinrichtungen eher auf Grundlagen- oder Forschungen im weit vorwettbewerblichen Bereich orientieren, erweisen sich die jetzt in der Zuse-Gemeinschaft zusammengeschlossenen externen Industrieforschungseinrichtungen als natürliche Verbündete des Mittelstands: „Er benötigt nachfrageorientierte, auf die Umsetzung der jeweiligen Innovationsprojekte zugeschnittene Forschungsergebnisse. Er braucht Partner, die auf hohem wissenschaftlichem und technologischem Niveau gemeinsam mit ihnen Technologien und Produkte entwickeln und zur Marktreife führen“, heißt es dazu in einem Strategiepapier der Zuse-Gemeinschaft. 

 

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